Roosters siegen in Ingolstadt

ERC Ingolstadt - Iserlohn Roosters 4:5 n.V. (1:1, 3:0, 0:3)  

Ingolstadt – „Diese Mannschaft hat Charakter“, sagte Roostersmanager Karsten
Mende nach der Partie. Nach einem 1:4-Rückstand drehen die Sauerländer ein
Match, das nach 40 Minuten trotz einer guten Leistung fast schon verloren
war. Der Rückstand auf Hamburg ist auf zwei Zähler verkürzt, die Hoffnung
auf die Pre-Play-Offs bleibt bestehen und die Mannschaft darf stolz sein auf
das vielleicht beste Schlussdrittel des ganzen Jahres.

Sie wollten – das machten die Sauerländer vor 600 mitgereisten Fans in den
ersten 20 Minuten mehr als deutlich. Schon der erste Wechsel der Wren-Reihe
schnürte die Panther in der eigenen Defensivzone ein und zwang Bakos zum
Foul gegen Ryan Ready. Schiri Schimm verhängte zwei Strafminuten gegen die
Gastgeber, die die Blau-Weißen wieder nicht nutzen konnten. Das Spiel der
Iserlohner war kreativ, aber nicht „dreckig“ genug. Weil man zu selten
schoss, hatte man auch zu wenige Reboundgelegenheiten. Ingolstadt brauchte
bis zur vierten Spielminute, um den ersten echten Angriff aufs Roosterstor
zu starten. Doch, dass gleich der erste Schuss, abgefeuert von Draxinger am
Außenrand des linken Bullykreises ins Tor ging, ließ den Sauerländern das
Blut in den Adern gefrieren. Stefaniszin hätte diese Chance vereiteln können
und müssen. Verteidigerkollege Mark Ardelan aber machte den Patzer seines
Torhüters nur 90 Sekunden später wieder gut, als sein Rückhandschlenzer vor
dem Kasten von Waite, gegen die Laufrichtung des Ingolstädter Goalies
gespielt, die Scheibe zum Ausgleich ins Tor brachte (6.). Auch im weiteren
Verlauf waren die Iserlohner die bessere Mannschaft, die sich deutlich
lauffreudiger als die Panther präsentierte. Die Vielzahl der Chancen hatten
die Gäste, Ingolstadt aber blieb insbesondere mit der Seidenberg-Reihe immer
gefährlich.

Unnötige Strafzeiten und die Torhüterleistung machten im Mitteldrittel den
Unterschied und brachten die Sauerländer trotz aller Bemühungen fast auf die
Verliererstrasse. Weil Ready am Ende von Abschnitt 1 auf die Strafbank
musste, Beechey sich einen unnötigen Stockschlag leistete, waren die Panther
schon nach 42 Sekunden mit zwei Spielern mehr auf dem Eis und nutzten diese
doppelte Überzahl eiskalt zur 2:1-Führung. St Jaques´ Schuss von der blauen
Linie ging über den Schoner von Stefaniszin ins Tor. Während dieser
Gegentreffer dem jungen Goalie nicht anzulasten war, sah er beim 3:1 der
Panther erneut nicht gut aus. (25.). Abermals bei doppelter Überzahl der
Bayern schoss Holland vom Außenrand des Bullykreises – haltbar. Damit hatten
die Roosters in Minuten verspielt, was sie sich im ersten Drittel
hochverdient aufgebaut hatten. Zwar kämpfte das Team weiter, war aber
sichtlich mental angeschlagen. Uli Liebsch hatte eine Auszeit genommen,
Maracle für Stefaniszin zwischen die Pfosten gebracht, die Wende aber ließ
auf sich warten. Obwohl die unsicheren Gastgeber immer wieder Scheiben
verloren, konnten die Roosters die sich bietenden Chancen nicht nutzen.
Immer wieder war Waite Endstation. Als Keith dann in der 35. Minute auf und
davon zog und seinen Konter mit einem Schuss ins obere rechte Eck abschloss,
waren die Play-Off-Hoffnungen der Fans auf Null gesunken.

 

Das Team aber setzte ein Zeichen, war über zwei Minuten vor Beginn des
Schlussdrittels auf dem Eis, wollte alles geben, um die mitgereisten
Anhänger mit ihrem Kampf zufrieden zu stellen. Dieses Engagement wurde
belohnt. Goodall musste früh, nach einem Foul an Roy vom Eis, die Roosters
hatten Überzahl und Bobby Wren vor dem Tor. Der fälschte einen Traynor-Schuss unhaltbar zum 2:4 ab (43.). Exakt 90 Sekunden später die nächste
geniale Roostersaktion im Pantherdrittel. Wren brachte die Scheibe an die
blaue Linie, Ardelan schoss, Roy gab der Scheibe den entscheidenden
Richtungswechsel zum 3:4 (44.). Die Roosters, jetzt wieder voller Kampfkraft,
drückten, überstanden eine Hinausstellung gegen Wren und spielten mit dem
Mut der Verzweiflung. Der bescherte Dank hartem Kampf die zweite Überzahl im
Schlussdrittel, die Ardelan mit seinem Schlagschuss von der blauen Linie
eiskalt zum 4:4 nutzte. Was für ein Comeback der Sauerländer, die aber noch
einen entscheidenden Vorteil bekommen sollten. Sarault checkte Roy fünf
Minuten vor dem Ende gegen den Kopf, bekam dafür fünf Strafminuten plus
eine Matchstrafe. Weil Draxinger schon draußen saß, hatten die Sauerländer
für 101 Sekunde doppelte Überzahl – nutzten sie aber nicht. Auch die einfache
Überzahl bis zum Ende der regulären Spielzeit sollte nicht ausreichen, um
nach dieser Aufholjagd drei Punkte zu entführen.

Wie so oft musste wieder die Verlängerung die Entscheidung bringen, in die
die Sauerländer noch einmal mit einem Mann mehr gehen konnten. Keith hatte
den im letzten Drittel bärenstarken Maracle mit Stockschlägen attackiert und
wanderte auf die Strafbank. Hocks geniales Zuspiel auf den herausragenden
Ardelan sorgte dann 22 Sekunden nach Beginn der Overtime für die
Entscheidung, den Sieg für die Roosters und die Chance, die Pre-Play-Offs
doch noch zu erreichen.

Die Statistik:

ERC: Waite – Draxinger, Bakos; Martinovic, Holland; St Jaques, Daschner –
Sarault, Higgins, Röthke; Goodall, Waginger, Keith; Seidenberg, Milroy,
Greilinger; Boucher, Hinterstocker.

Roosters: Stefaniszin (ab 24:03 Maracle) – Traynor, Schmidt; Ardelan,
Wilford; Langwieder, Dück –Wren, Ready, Roy; Hock, Wolf, Classen; Simon,
Beechey, Hommel; Rupprich, Jones, Danielsmeier.

Tore: 1:0 (03:52) Draxinger (Röthke), 1:1 (05:22) Ardelan (Ready, Wren), 2:1
(20:50) St Jaques (6:4), 3:1 (24:03) Holland (Waginger, St Jaques/5:3), 4:1
(34:55) Keith (4:4), 4:2 (42:03) Wren (Traynor, Ready/5:4), 4:3 (43:33) Roy
(Ardelan, Wren), 4:4 (52:03) Ardelan (Beechey/5:4), 4:5 (60:22) Ardelan.

Schiedsrichter: Willi Schimm (Waldkraiburg), Carsten Lenhard (Darmstadt);

Strafminuten: ERC: 20 + 5 + 10 (Keith) + Matchstrafe (Sarault); Roosters:
16;

 
Zuschauer: 3586.